ALBA bewegt Kinder: Ein Blick ins Osterferiencamp

„So groß!“, ruft der fünfjährige Boris und wirft staunend den Kopf in den Nacken. Um ihn patschen nackte Füße über den Kunststoffboden, fünfzehn Vorschulkinder stürmen jauchzend die Sporthalle der Gesundbrunnen Grundschule.

Mittendrin: Jugendtrainerin Carina Maaß, die blonden Haare zum Zopf gebunden, auf der Trainingshose das Emblem des Basketballclubs ALBA BERLIN. Mit heller, durchdringender Stimme ruft sie die Kinder zusammen, die wie wild durch die Halle toben. Im Mittelkreis fassen sie sich an den Händen. „Wisst ihr noch, wie wir starten?“, ruft Carina in die Runde. Schon gehen die ersten Kinder in die Knie und trommeln auf den Fußboden, dann auf die Oberschenkel, dann springen sie und werfen die Arme in die Höhe. „Jetzt geht’s los!“, tönt es durch die Sporthalle.

Es ist die erste Woche des Ostercamps von „ALBA bewegt Kinder“. Während der Schulbetrieb ruht, kommen drei Gruppen aus der benachbarten Kita Kunterbunt in der Gottschedstraße 27 zur Sportstunde in die Halle. Viele der Kids kennt Carina schon, denn auch während der Schulzeit arbeitet sie im Rahmen des Projektes neun Stunden in der Woche als Trainer-Erzieherin in der Kita (Hier mehr zum Projekt “ALBA bewegt Kinder” erfahren).

Mit den Jüngeren im vorletzten Kindergartenjahr geht Carina nachmittags in den Bewegungsraum der Tagesstätte oder spielt mit ihnen im Garten und auf benachbarten Sportplätzen. „Wir erkunden zusammen ihren Kiez. So lernen die Kinder Bewegungsorte in ihrer Umgebung kennen“, sagt die Trainerin. Sie studiert Sportwissenschaft an der Humboldt-Universität. In einem Seminar von ALBA-Vizepräsident Henning Harnisch hat sie von „ALBA bewegt Kinder“ gehört und sich auf die Trainerstelle beworben. Seit Anfang März ist sie regelmäßig in der Kita.

Die etwas Älteren begleitet Carina einmal pro Woche nachmittags in die Turnhalle der Gesundbrunnen Grundschule. In den zwei Ferienwochen sind die Kids zum ersten Mal für längere Zeit in der Schule. Auf dem Weg in die Halle stromern sie über den Pausenhof und erkunden das Treppenhaus und die Flure. „Wenn die Kinder dann eingeschult werden, ist die Schule schon ein vertrauter Ort“, sagt Dagmar Meermann, Fachberaterin für Bewegungspädagogigk bei „Kinder in Bewegung“ (KIB), dem Träger der Kita. „Außerdem lernen die Kinder einen Sportverein kennen, der im Kiez aktiv ist und den Übergang in die Schule begleitet.“

In der Zusammenarbeit zwischen Schulen, Kitas und Vereinen fehle bislang oft ein System: Welche Vereine und Freizeitangebote gibt es in der Umgebung? Welche Sportarten und für welche Altersgruppen? „Diese Akteure zusammenzubringen ist ein enormer Schritt“, sagt Meermann.

Das Sportbüro wirkt als Mittler zwischen den Institutionen. Bislang ist der Kontakt zu Vereinen oftmals vom Zufall abhängig, vom Engagement der Eltern oder einzelner Menschen in der Umgebung der Kinder. Durch professionelle Unterstützung kann der Verein zum festen Bestandteil einer sportlichen Biografie werden. Coaches sind dann nicht nur Übungsleiter, sondern vermitteln den Übergang zwischen Tagesstätte, Schule und Club. An der Gesundbrunnen Grundschule ist das schon jetzt Realität – denn Carinas Kolleginnen und Kollegen von “ALBA macht Schule” begleiten die Kinder auch im Unterricht. “Unser Ziel ist ein stabiles Dreieck aus Kita, Schule und Verein“, sagt Dagmar Meermann.

Um Stabilität geht es auch bei der nächsten Übung in der Sportstunde: Die Kids heben den Ball mit beiden Händen vom Boden auf, strecken sich und halten ihn hoch über den Kopf. Dann bewegen sie sich langsam durch die Halle, „Vorsichtig, keine Zusammenstöße“, ruft Carina noch – aber das ist leichter gesagt als getan. Kasim fällt sein roter Basketball herunter, er bückt sich, da läuft ihm von hinten Yasmin in die Hacken. Als er den Ball gerade wieder aufgehoben hat, pufft ihn Boris in die Seite – wieder rollt das Spielgerät über den Hallenboden. Kasim zieht die Mundwinkel nach unten und kneift die Augen zusammen. Mit grimmiger Miene eilt er seinem Ball hinterher.

Doch die schlechte Laune verfliegt sofort, als Carina ein neues Sportgerät in die Halle rollt: Die Miniaturversion eines Basketballkorbs, mit extra großem Ring.

Kita-Leiterin Gabriele Schilling schaut von der Seitenlinie aus zu. „Der Name ALBA BERLIN hat Strahlkraft. Da sind die Kinder noch einmal anders involviert – und auch die Eltern“. Denn mit dem Projekt sollen auch die Eltern Gelegenheit bekommen, schon einmal einen Blick in die Schule zu werfen. „Wir möchten Engagement wecken, Eltern und Kinder an die Schule und an den Vereinssport heranführen”, sagt die stellvertretende Kita-Leiterin Elleni Adamidis.

Die Kita übernehme schon heute viele Erziehungsaufgaben: „Wir spielen nicht bloß, wir gestalten den Alltag der Kinder und bereiten sie auf ihr Leben vor“, sagt sie Adamidis. Aber nach der Kita-Zeit falle diese enge Begleitung oftmals weg. „ALBA bewegt Kinder ist der Versuch, die Kinder nachhaltig zu begleiten und zu fördern.“

Dann ruft Carina die Kids wieder in den Mittelkreis. Alle fassen sich an den Händen. „Und Tschüss!“, rufen fünfzehn Kinder im Chor – bis zum nächsten Mal.

Fotos: Malte Spindler

Mehr Infos zum Projekt “ALBA bewegt Kinder” | Interviews mit den Projektakteuren

 

Ein Gemeinschaftsprojekt von:
SPORTBÜRO e.V. | Kindergarten Kunterbunt Gottschedstraße 27 | Gesundbrunnen Grundschule Berlin | ALBA BERLIN Basketballteam e.V.

Gefördert von:
Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) | Deutsche Sportjugend (dsj) | Förderprogramm: „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“. Programm Sport: Bündnisse! Bewegung – Bildung – Teilhabe