ALBA bewegt Kinder: Interviews mit den Projektakteuren

Dagmar Meermann, Fachberaterin für Bewegungspädagogik beim Kita-Träger Kinder in Bewegung (Kinder in Bewegung gGmbH):

Ich glaube, dass der Weg, der gewählt wurde, nämlich die Bewegung als das einende Element, um Kindern ihre Umgebung näher zu bringen, der richtige ist und auch funktioniert.

Die Kinder kommen hier in die Turnhalle oder gehen auf Spiel- und Freiflächen im Kiez. Sie lernen dadurch über Bewegung, Spiel und Sport ihren Lebensraum näher kennen. Dieser Ablauf von gemeinsam einen Weg gehen, ankommen, sich umkleiden, Sport treiben, wieder gehen – diesen Ablauf kennenzulernen hat viel mit dem alltäglichen Leben zu tun.

Für die Kinder bedeutet das Projekt vor allem Spaß, und positive Emotionen sind die Basis für erfolgreiches Lernen. Fast nebenbei werden relevante Kompetenzen wie z.B. Sozialkompetenz, Kommunikation, Durchhaltevermögen, Selbstbewusstsein und Selbstorganisation aufgebaut und gestärkt.

Es gibt ja immer ein Erstgespräch in den Kitas mit den Eltern und da wird das Projekt und die Kooperation vorgestellt. Das hat auf jeden Fall Aufmerksamkeit erregt bei den Eltern. Die angedachte Elternveranstaltung letztes Jahr ist leider nicht zustande gekommen, aber es ist uns ein großes Anliegen, das dieses Jahr auf jeden Fall zu machen und da sind wir hinterher und hoffen, dass es dann läuft.

Ich habe immer gute Rückmeldungen von Carina bekommen. Sie fühlt sich wohl und ist gut angekommen im Projekt „ALBA bewegt Kinder“. Die Mitarbeiter aus der Kita sagen, dass es wirklich eine gute Ergänzung ist. Sicherlich muss da immer noch ein Abstimmungsprozess laufen, wie ist unser Bewegungsverständnis, was bringt sie an Erfahrung mit ein. Der Austausch ist wichtig. Bis jetzt hat sich das Projekt bewährt.

Die Abstimmung zwischen den Akteuren hat dieses Jahr gut funktioniert. Kommunikation ist alles. Die Aufgabenbereiche waren klar definiert, also wer welche Prozesse steuert bzw. übernimmt, und da war die Zusammenarbeit zwischen sportbüro e.V. und Träger der wichtigste Informationskanal. Ich bin eher in Kontakt mit der Kita gewesen, während Philipp Hickethier stärker mit der Trainerin und der Schule in Verbindung stand.

 

Carina Maaß, Jugendtrainerin (ALBA BERLIN Basketballteam e.V.):

Immer wenn ich reinkomme, freuen sich die Kinder. Meistens heißt es dann „ALBA kommt, ALBA kommt“. Dann wird gleich gefragt: „Machen wir Sport, können wir mit.“

Wir machen relativ viel mit Bällen, aber letzte Woche haben wir zum Beispiel einen Parcours aufgebaut, mit Klettern an der Sprossenwand, auf die Matte springen, sich mal was trauen. Wir spielen aber auch Fangen, machen mal Turnübungen, eigentlich von allem etwas.

In den Ferien hat das sonst wöchentliche Bewegungs-, Spiel- und Sportangebot noch mal eine andere Intensität. Dann bin ich ab neun Uhr in der Kita, mache den Morgenkreis mit, und dann gehen wir zur Gesundbrunnen Grundschule in die Sporthalle. Wir machen Sport, dann essen wir Mittag und gehen im Anschluss noch zusammen auf einen Spielplatz im Kiez. So lernen die Kinder ihren unmittelbaren Lebensraum näher kennen. Wir sind um drei wieder in der Kita und haben den ganzen Tag gemeinsam verbracht.

Das merkt man den Kindern auch an, sie sind ja normalerweise in ihren Gruppen und wenn sie Hand in Hand gehen sollen, bleibt am Anfang immer jeder in seiner Gruppe. Nach den zwei Wochen Ferien mischen sich die Gruppen, das ist echt schön.

Mir persönlich macht es nach wie vor irre Spaß mit den Kindern zu arbeiten. Man sieht so gut die Entwicklung. Es gibt Kids, die können am Anfang des Jahres einen Ball nicht mal mit den Händen über den Kopf heben, ohne dass er herunterfällt. Und am Ende des Jahres können sie werfen und fangen. Das ist auch für mich ein Erfolgserlebnis, klar.

Es wäre natürlich toll, wenn sich auf Dauer auch über die Kids der Kontakt zwischen Kita, Schule und Verein verfestigt. Ich denke dafür sind vor allem die Eltern wichtig. In die Richtung machen wir jetzt auch noch mehr, demnächst gibt es ein offenes Bewegungsangebot – und wir gehen gemeinsam zu einem Spiel der ALBA-Profis.

 

Bahar Akkaya, Erzieherin KiB Kita Gottschedstraße 27 (Kinder in Bewegung gGmbH):

Das Projekt und Carinas Arbeit wirken sich sehr positiv auf meinen Alltag aus, weil sie noch mal ganz neue Impulse reinbringt. Wir haben ja unser eigenes Bewegungsprogramm, aber eine Basketballerin dabei zu haben, und dann noch von ALBA BERLIN, das ist super. Durch die regelmäßigen Bewegungs-, Spiel- und Sportangebote merkt man schon eine Verbesserung was das Motorische angeht bei den Kindern. Das ist sichtbar.

Carina ist da und wir wissen: sie macht das, sie zieht das durch. Die Kinder freuen sich und machen motiviert mit. Dennoch gilt es, vielfältige Absprachen zu treffen. Carina ist hier für Kinder und Kolleginnen eine konstante Ansprechpartnerin. Der Fachaustausch hat dabei einen hohen Stellenwert für uns.

Meistens kommt Carina in die Kita und wir gehen dann gemeinsam in die Schule. Und dann gibt’s in der Turnhalle das Bewegungsangebot. Da ist dann immer eine Erzieherin dabei – wir machen einfach mit.

Wenn wir im Morgenkreis besprechen was für ein Tag ist – „Ah, heute kommt Carina, wir gehen in die Schule“ – dann freuen sie sich richtig. Das kommt bei den Kindern gut an.

 

Heiko Großer, Koordinierender Erzieher und Teamleiter Ganztag (Stiftung Pro Gemeinsinn gGmbH):

Für uns geht’s hier um das Netzwerk zwischen Träger, Schule und Verein und darum mit Eltern direkt und frühzeitig ins Gespräch zu kommen. Wir haben einen hohen Anteil an Eltern die schulfremd sind und die Schule nicht als einen Ort erleben, an dem sich Eltern aktiv beteiligen können. Da ist an unserer Schule noch Luft nach oben.

Das attraktive Projekt „ALBA bewegt Kinder“ und die damit verbundene Vernetzung mit der Kita sind ein guter Weg, über Bewegung, Spiel und Sport direkt Kontakt zu Kindern und Eltern aufzubauen sowie die Sprachentwicklung der Kita-Kinder zu fördern. Wir sind ein sozialer Brennpunkt und haben hier an der Schule über 90 Prozent Kinder mit Migrationshintergrund. Das heißt, auch einen sehr hohen Anteil an Kindern mit sehr geringen Deutschkenntnissen. Kinder lernen die Sprache sehr leicht von anderen Kindern. „Bewegung, Spiel und Sport als Sprachförderung“ ist dabei auch ein wichtiger Punkt für uns. Man muss sprechen beim Sport und da gibt es eben die Grundregel „Wir sprechen deutsch“.

Im Rahmen des Projekts „ALBA bewegt Kinder“ lernen Kinder nebenbei auch noch Schule und Schulkinder kennen – wo kommen die her, was erzählen die so über die Schule? Es geht also neben der Sprachförderung auch immer darum, die Schwelle zur Schule zu senken und es den Kindern einfacher zu machen hierher zu kommen. Sprich: Schon Schulweg und Gebäude kennen, vielleicht mal einen Lehrer sehen und merken „So schlimm sehen die gar nicht aus“. Da ist dieses Projekt mit ALBA BERLIN und mit der KiB Kita Gottschedstraße 27 toll. Ich glaube, es macht die Kinder auch ein bisschen neugierig auf Schule. Die Schule soll für Kinder ein Lebensraum sein, indem es nicht nur ums Lernen und ums Stillsitzen geht. Kinder sollen Schule auch als Raum erleben in dem sie mit anderen Kindern auch Kind sein dürfen.

Die Verbindung mit Kindern aus Kita und Schule klappt noch nicht immer perfekt. Bei dem diesjährigen Feriencamp für die Kita-Kinder hatten wir geplant, gezielt Kinder aus dem ersten oder zweiten Schulbesuchsjahr dazu zu nehmen, damit die Hürde nicht zu groß ist – und, wie das Leben so spielt, sind in diesen Ferien leider keine Kinder in dieser Altersgruppe zum Ferienhort gekommen.

Wir stellen aber fest, dass die Zusammenarbeit mit ALBA BERLIN und der KiB Kita Gottschedstraße 27 wirklich etwas für uns bewegt. Das wir dieses Jahr mehr Anmeldungswünsche als freie Schulplätze für die erste Klasse an der Gesundbrunnen-Grundschule haben, liegt vielleicht auch an dem sich gut entwickelnden Netzwerk und dem erfolgreichen gemeinsamen Arbeiten für unsere Kinder.

 

Iyad Hassan, Trainer (Sultans e.V.):

Ich bin hier größtenteils als Unterstützung, Carina kennt ja die Kinder und bekommt das auch alleine hin. Aber vier Augen sehen natürlich mehr als zwei und ich helfe, wo ich kann.

Speziell bei den Jungs merkt man, dass es ihnen auch ganz gut tut ein männliches Gegenüber zu haben. Wir haben gestern Ball gespielt, dribbeln, rückwärts und vorwärts laufen – dann kommt der Ball mal zu mir, hier, kannst du mal, zeig mal.

Die Kinder haben sich nicht nur sportlich weiterentwickelt. Man merkt, dass sie zusammenwachsen. Bei den Spielen fiebert man auch zusammen im Team. Das zu sehen ist toll, denn irgendwann gehen alle in die Schule und dann kennen sich alle immer noch. Wir hoffen natürlich, dass die Kinder für den Schulbeginn mitnehmen, was sie hier lernen. Auch wenn es nur ein paar Tage sind. Wir hoffen, dass die Entwicklung stetig weitergeht.

Die Kids lernen hier Zusammenarbeit. Bei jedem Sport ist es wichtig, dass man als Gruppe zusammenarbeitet, denn das Team bringt jeden nach vorne. Wenn einer nicht mitzieht, ziehen die anderen ihn dann halt mit. Bei den Ballübungen, die wir gestern hatten – Ball auf den Kopf, Ball auf den Rücken, rückwärts laufen – musste sich jeder darauf verlassen beim Rückwärtslaufen, dass man nicht gegeneinander prallt. Das ist auch eine Sache des Vertrauens. Vertrauen ist das A und O und das lernen die Kinder hier.

 

Philipp Hickethier, ALBA Kiezkoordinator (ALBA BERLIN Basketballteam e.V.):

Mit dem Projekt „ALBA bewegt Kinder“ nehmen wir gemeinsam mit dem Träger „Kinder in Bewegung“ den Impuls aus unserer langjährig gewachsenen Arbeit an Berliner Grundschulen auf und orientieren uns vermehrt auf den Kitabereich. Das Projekt zielt auf die Verbindung unterschiedlicher Lebensräume von Kindern über das Medium Sport. Wir bewegen uns mit dem Projekt dadurch zwischen verschiedenen Institutionen mit ihrer jeweils eigenen Logik, was zur Folge hat, dass die Durchführung eines Angebots an solchen Schnittstellen auch immer einer besonderen Koordination bedarf. So wie hier bei unserem diesjährigen Feriencamp: Im Vorfeld musste mit der Schulleiterin und dem pädagogischen Leiter des Ganztags besprochen werden, wann die Sporthalle oder das Gelände der Schule für die Kitakinder zur Verfügung steht und inwieweit Kinder der Grundschule in das Feriencamp einbezogen werden können. Gleichzeit musste in der Kita geplant werden, wie das Feriencamp zeitlich in den Kitatagesablauf der Kinder integriert werden kann und wer die Kinder gemeinsam mit der Trainerin von der Kita zur Schule begleitet und inwieweit auf dem Rückweg für die Erkundung von Spielplätzen im Kiez noch genügend Zeit zur Verfügung steht, bevor die Kinder von ihren Eltern abgeholt werden. In diesem Jahr hat das alles gut funktioniert. Es ist toll zu sehen, wie Carina über Bewegung, Spiel und Sport Kindern unterschiedliche Lebensräume in ihrem Kiez näher bringt.

Wir hoffen, dass wir hier im Kiez das Projekt auf zwei weitere Kitas des Trägers „Kinder in Bewegung“ ausweiten können. An diesen Kitas könnten wir das Programm „ALBA bewegt Kinder“ idealerweise genauso umsetzen wie hier zwischen der KiB Kita Gottschedstraße 27 und der Gesundbrunnen Grundschule. Also ein ALBA-Trainer, der ein abwechslungsreiches Bewegungs-, Spiel- und Sportangebot an der Schnittstelle zwischen Verein, Kita, Grundschule und öffentlichem Raum anbietet. Er begleitet mit seiner Arbeit bildungsbiographische Übergänge – insbesondere in sozial schwächeren Quartieren – mit den Mitteln des Sports und stellt darüber hinaus erste Berührungspunkte zum vereinsorganisierten Sport her. Der Trainer wird so für Kinder und Jugendliche zu einer verlässlichen, wiederkehrenden und institutionsübergreifenden Struktur. Denn er begleitet Kinder ganztägig: in der Kita, auf Spiel- und Freiflächen und im Sportverein.

Foto: Malte Spindler

Mehr Infos zum Projekt “ALBA bewegt Kinder” | Ein Blick in’s Ostercamps 2014

 

Ein Gemeinschaftsprojekt von:
sportbüro e.V. | Kindergarten Kunterbunt Gottschedstraße 27 | Gesundbrunnen Grundschule Berlin | ALBA BERLIN Basketballteam e.V.

Gefördert von:
Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) | Deutsche Sportjugend (dsj) | Förderprogramm: „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“. Programm Sport: Bündnisse! Bewegung – Bildung – Teilhabe