Alles in Bewegung Kita-Olympiade im SportPark Poststadion

Tarek breitet vorsichtig die Arme aus, um auf dem Schwebebalken die Balance zu halten. Dann schiebt der Vorschüler die Brust raus, macht den ersten Schritt und lacht – gute Aussicht von hier oben. Alba Jugendtrainerin Carina Maas reckt vorsichtshalber einen Arm in seine Richtung, falls die gewonnene Courage in Übermut umschlägt. Aber Tarek huscht mit sieben, acht schnellen Schritten über das schmale Holz und lässt sich locker auf den gepolsterten Kasten plumpsen, der als Abstieg dient.

Das Trippeln vieler Kinderfüße hallt an diesem Dienstagvormittag in der Halle des SportParks Poststadion. Rund 60 Vorschulkinder vergnügen sich an der Sprossenwand, auf dem Trampolin oder dem Schwebebalken. Ein Mädchen mit lockigen schwarzen Haaren rutscht eine schräge Bank herab und quietscht dabei ausgelassen – beste Stimmung also. Dabei haben die sechs Alba Jugendcoaches, die die erste Kita-Olympiade im Poststadion begleiten, den Parcours erst in letzter Minute aufgebaut: Nach zwei Stunden Sport und Spiel im Freien hatte ein heftiger Regenschauer die Gruppen überrascht.

Zum Start der Veranstaltung um 10 Uhr sah es noch nach einem sonnigen Sommertag aus. Sabine Smentek, Bezirksstadträtin für Jugend, Schule, Sport und Facility Management Mitte von Berlin, begrüßte Kinder, Erzieherinnen und Coaches. Sie sei stolz, die erste Kita-Olympiade im SportPark Poststadion zu eröffnen – die Veranstaltung zeige, welches Potenzial im Poststadion stecke. „Ich finde es immer wieder großartig mit und für Kinder zu arbeiten. Das ist eine der großen Freuden an meiner Aufgabe.“, sagte Smentek.

Jörg Diernberger, Präsident des Sportbüros, betonte den integrativen Charakter des Sports: „Kinder lernen etwas über sich selbst, wenn sie ihren Körper und Geist in vielfältigen Sportarten ausprobieren. Und sie lernen etwas über andere, wenn sie gemeinsam mit ihnen Sport treiben.“ Veranstaltungen wie die Kita-Olympiade befördern laut Diernberger auch den Austausch zwischen Kitas und bieten Erzieherinnen und Erziehern Inspirationen, öffentliche Sportflächen mit einfachen Mitteln zu bespielen.

Das war an diesem Tag unter anderem die Aufgabe von Otu Tetteh, Erzieher, Jugendcoach und Vorstandsmitglied des Sportbüros. Mit einer Gruppe  aus 12 Kindern eroberte er die Freiplätze, Kletter-, Spiel- und Trainingsanlagen auf dem Gelände. Die Übungen hätten unterschiedliche Schwerpunkte, erklärt Tetteh. So gehe es bei den Laufspielen auf dem Fußballplatz um Ausdauer und um die Wahrnehmung der Umgebung. Beim Parcours auf der Gender-Sportanlage gehe es stärker um Koordination. Und beim Beach-Fußball im Sandkasten stehe das gemeinsame Spiel im Vordergrund, und die Möglichkeit, sich richtig auszupowern.

Dass der Sand zugleich einige der gewohnten Regeln des Fußballspiels außer Kraft setzt und damit auch für weniger geübte das Mitspielen ermöglicht, gehört ebenfalls zum Konzept – wie auch die Essens-Station, an der sich die Kids zwischendurch mit Nüssen, Gemüse-Sticks und Obstsalat stärken konnten. „Wenn wir über Bewegung sprechen, sprechen wir immer auch über Essen und Trinken“, sagte Tetteh. Der Ansatz der Kita-Olympiade sei ganzheitlich, es gehe um Bewegungs- und ein bisschen auch um Lebenserfahrung. Der Wettkampf stehe nur beim Spiel im Vordergrund – eine Urkunde gibt es am Ende des Tages für alle.

„Die Kita-Olympiade ist eine Möglichkeit, einen Bewegungsraum zu erkunden und erfahrbar zu machen“, sagte Sportbüro-Mitglied Philipp Hickethier, der die Veranstaltung in Kooperation mit dem Basketballverein Alba Berlin organisiert hat. Er sehe neben der persönlichen Erfahrung für die Kinder noch ein größeres Ziel: Letztlich gehe es darum, dass es für Kitas und Schulen selbstverständlicher werde, öffentliche Sporträume wie den SportPark Poststadion zu bespielen – insbesondere am Vormittag, wenn die Anlagen kaum von Sportvereinen genutzt würden. „Veranstaltungen wie die Kita-Olympiade können die Aufmerksamkeit auf einen Sportraum und seine Möglichkeiten lenken“, sagte Hickethier – und musste dann schnell los. Denn draußen fielen schon die ersten Tropfen, und der ausgebildete Sportwissenschaftler musste noch mithelfen den Parcours in der Sporthalle aufbauen.